22.10.2010 - Aktuelles aus den Centren

Partnership for the Heart stellt Studie im Bundeswirtschaftsministerium vor

Die flächendeckende Einsatzmöglichkeit von Telemedizin ist belegt und Risikopatienten leben länger und qualitativ besser

Mit einer telemedizinischen Betreuung – in Ergänzung zu einer leitliniengerechten ambulanten Versorgung – kann die Lebensqualität und zum Teil sogar die Lebenserwartung von Risikopatienten mit chronischer Herzschwäche deutlich verbessert werden.

Das hat eine klinische Studie mit 710 Teilnehmern ergeben, die das medizinisch-technische Konsortium „Partnership for the Heart“ im Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie in Berlin vorgestellt hat.

Im Rahmen eines so genannten Telemonitoring wurden täglich bestimmte Vitalwerte der Patienten von einem telemedizinischen Zentrum erfasst und befundet. Bei auffälligen Veränderungen nahm das Fachpersonal Kontakt mit den Betroffenen beziehungsweise deren Arzt vor Ort auf. In einigen Fällen war diese schnelle Reaktion sogar lebensrettend. Aber auch langfristig war die Betreuung erfolgreich. In einer bestimmten Patientengruppe ging während der vom Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie geförderten Studie die Sterblichkeitsrate sogar um mehr als die Hälfte zurück. Zudem konnte nachgewiesen werden, dass diese Form der Fernbetreuung technisch wie methodisch so ausgereift ist, dass sie flächendeckend eingesetzt werden kann.

„Jetzt geht es darum, die Erfahrungen der Studie schnell in ganz Deutschland umzusetzen“, sagte Prof. Dr. Karl Max Einhäupl, Vorstandsvorsitzender der Charité-Universitätsmedizin, die die medizinische Leitung der Studie inne hatte.

Über mehr als zwei Jahre wurden die Vitaldaten von der Hälfte der Studienteilnehmer aus den Regionen Berlin/Brandenburg und Baden-Württemberg täglich in ihrer gewohnten häuslichen Umgebung erfasst und in den telemedizinischen Zentren in der Berliner Charité und dem Stuttgarter Robert-Bosch-Krankenhaus befundet. Die andere Hälfte wurde ebenfalls über diesen Zeitraum gemäß den aktuellen Therapieleitlinien für Herzschwäche behandelt, erhielt aber keine telemedizinische Betreuung.

Alle beteiligten Patienten leiden an der sogenannten Herzschwäche, das heißt, ihr Herz erreicht weniger als die Hälfte der normalen Pumpleistung. Zudem kann es zu gefährlichen Wassereinlagerungen im Körper kommen, die oft nur noch im Krankenhaus behandelt werden können. Bei einer Gruppe von Risikopatienten, die rund die Hälfte aller Teilnehmer an der Studie ausmachte, konnte durch das Telemonitoring die kardiovaskuläre Sterblichkeitsrate innerhalb von zwei Jahren halbiert werden.

Studie schafft Evidenz zum Einsatz von Telemedizin
Das Studiendesign genügt höchsten wissenschaftlichen Anforderungen. „Darum sind die Ergebnisse in ihrer Aussagekraft so eindrucksvoll und haben in der Fachwelt bereits für großes Aufsehen gesorgt, obwohl sie auch dort erst seit wenigen Tagen bekannt sind“, erklärte Dr. Friedrich Köhler, der das Projekt von der Charité aus geleitet hat. Die behandelnden Ärzte bekämen mit der Technik eine zusätzliche Möglichkeit, schwerkranke Patienten intensiv zu begleiten, ohne dass diese gerade im ländlichen Raum weite Wege zu den Praxen bewältigen müssen. „Es geht also in keiner Weise darum, die Ärzte zu ersetzen, sondern sie in ihrer Arbeit zu unterstützen“, so Köhler. Regelmäßige standardisierte Befragungen unter den telemedizinisch betreuten Patienten ergaben, dass die Betroffenen ihre Lebensqualität als verbessert einschätzten. „Sie fühlten sich sicherer, da besser betreut“, sagte Einhäupl.

„Die Studie belegt eindrucksvoll, welches Potential in der Telemedizin steckt“, betonte Dr. Siegfried Dais, stellvertretender Vorsitzender des Technologie- und Dienstleistungsunternehmen Bosch, das als technischer Konsortialführer in der Studie die Systemintegration, den laufenden Betrieb und die Qualität des Gesamtsystems verantwortete. An Partnership for the Heart waren zudem der Gerätehersteller Aipermon GmbH Co. KG und der eHealth Softwareanbieter InterComponentWare AG (ICW) beteiligt. Im Rahmen der Studie haben die Patienten über zwei Jahre hinweg täglich ihr Gewicht, ihren Blutdruck und ein EKG erfasst und die Daten über Mobilfunk an eines der beiden telemedizinischen Zentren übertragen.

Die Daten wurden vom Fachpersonal befundet. Bei auffälligen Veränderungen des Gesundheitszustands nahmen Sie Kontakt mit dem betreuenden Arzt auf oder alarmierten den Notarzt. Damit wurde den Patienten ermöglicht, länger zu Hause und somit in ihrem gewohnten sozialen Umfeld zu leben. „Der Einsatz von mobilen telemedizinischen Messsystemen erlaubt es, dass Patienten Zuhause besser betreut werden können. Die einfache Bedienung der Systeme für den Patienten und die schnelle, sichere und zuverlässige Datenübertragung der medizinischen Daten sind dabei gewährleistet“, sagte Aipermon-Geschäftsführer Dr. Thomas Schweizer.

Antwort auf demografische Entwicklung

Das Konsortium will nach der erfolgreichen Studie zusammen mit den Gesundheitsversorgern und der Politik möglichst vielen Patienten in Deutschland eine telemedizinische Versorgung ermöglichen. Die Studie habe eindeutig bewiesen, dass Remote Patient Management (Telemonitoring im Rahmen einer Betreuung durch medizinisches Personal) Vorteile bei der Behandlung für Herzschwäche-Patienten bringt. Deshalb geht es nun darum, die möglichen Anwendungsgebiete für diese Behandlungsform rasch auszuweiten.

In anderen Ländern wird die Telemedizin bereits bei der Behandlung von Diabetes, schweren Lungenkrankheiten oder der Rehabilitation nach Schlaganfällen eingesetzt. Mit Blick auf die demografische Entwicklung ist dieser Aspekt besonders bemerkenswert. Die Menschen werden in den kommenden Jahren im Schnitt immer älter und somit steigt auch die Zahl jener, die an chronischen Erkrankungen wie Herzschwäche leiden werden. „Hier können moderne IT-Technologien, wie sie im telemedizinischen Partnership for the Heart-Ansatz eingesetzt werden, Effizienzgewinne erzielen“, sagte Dr. Ralf Brandner, Entwicklungsleiter bei ICW. In den USA werden bereits mehr als 120 000 Patienten telemedizinisch betreut. In Deutschland sind es bisher rund 15 000 Personen. Darum plädiert Partnership for the Heart dafür, dass die Zulassungsverfahren für die verschiedenen Krankheitsbilder zügig umgesetzt werden, damit diese innovative Betreuungsform in die Regelversorgung aufgenommen werden kann.

 „Mit der Studie steht nun fest, dass dieses Therapiemanagement mit Hilfe von Telemedizin besonders instabilen Patienten nützt. Nun liegt es an den Gremien der Selbstverwaltung und der Politik, die entscheidenden Weichen zu stellen, damit die innovative Lösung schnell dieser Patientengruppe in Deutschland zugutekommen kann“, sagte Einhäupl.

 

Kontakt:

Prof. Dr. med. Friedrich Koehler, FESC

Foto Friedrich Köhler

Leiter des Zentrums für kardiovaskuläre Telemedizin, Oberarzt für Kardiologie an der Medizinischen Klinik m. S. Kardiologie und Angiologie

CharitéUniversitätsmedizin Berlin

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Zentrum für kardiovaskuläre Telemedizin

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