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© Charité | Wiebke Peitz

10.12.2021

Kosten-Wirksamkeit von Telemonitoring bei Herzinsuffizienz nachgewiesen

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Erkenntnisse aus der TIM-HF2-Studie

Herzinsuffizienz ist eine der häufigsten Ursachen für Krankenhausbehandlungen in Deutschland. Durch den Einsatz von Telemonitoring konnte bei Patienten*innen mit Herzinsuffizienz im Rahmen der Studie TIM-HF2 eine Reduktion der Krankenhaustage aufgrund von ungeplanten kardiovaskulären Krankenhauseinweisungen sowie der Gesamtmortalität gezeigt werden (Lancet. 2018 Sep 22;392(10152):1047-57). 

In der gesundheitsökonomischen Analyse wurde untersucht, ob die Kosten und die Kosteneffektivität der Nutzung der telemedizinischen Versorgung im Vergleich zu herkömmlichen Betreuungsansätzen aus Perspektive der gesetzlichen Krankenkassen ebenfalls gegeben ist.
Hierzu wurden die gesundheitsökonomischen Daten zu den gesetzlich Versicherten der TIM_HF2 Studie untersucht. Die TIM-HF2 war eine randomisierte, kontrollierte und multizentrische Studie mit 1.538 Teilnehmenden. Für 1.450 Teilnehmende (n=715 Telemedizingruppe, n=735 Kontrollgruppe) der TIM-HF2-Patientenpopulation standen Abrechnungsdaten der gesetzlichen Krankenkassen für die Kostenbestimmung zur Verfügung, das entspricht 94,3 % der ursprünglichen TIM-HF2-Patientenpopulation. Die Abrechnungsdaten wurden mit Primärdaten aus der Studiendokumentation verknüpft und hinsichtlich der Behandlungskosten und der Gesamtkosten (unter Berücksichtigung der Interventionskosten), der Kosten pro Lebenstag und Krankenhausaufenthalt (DAOH) sowie die Kosten pro qualitätsadjustiertem Lebensjahr (QALY) ausgewertet.

Im Ergebnis zeigte sich, dass in der Telemedizingruppe die durchschnittlichen, jährlichen Behandlungskosten pro Kopf bei 14.412 € (95 % CI 13.284-15.539) lagen. Die Kontrollgruppe wies durchschnittliche, jährliche Behandlungskosten in Höhe von 17.537 € (95 % CI 16.179-18.894) pro Kopf auf. Das Telemonitoring führte zu einer Kosteneinsparung von 3.125 € pro Kopf (p=0,001) bei den Behandlungskosten. Die jährlichen Gesamtkosten pro Kopf ergaben unter Einbeziehung der Interventionskosten eine Kosteneinsparung von 1.758 € (p=0,048) zugunsten der Telemedizingruppe. Die Interventionskosten umfassten 24/7 telemedizinische Mitbetreuung (tägliche Befundung sowie Kommunikation mit den mitbehandelnden Ärztinnen und Ärzten), die Schulung im Umgang mit den Geräten und im Selbstmanagement zum Studienbeginn sowie die telemedizinische technische Infrastruktur im Telemedizinzentrum (telemedizinischer Arbeitsplatz) und bei Patientinnen und Patienten zuhause (Messgeräte, Mobilfunkverbindung, VPN-Verschlüsselung)

Die durchschnittlichen Krankenhauskosten (Patientinnen und Patienten mit und ohne Krankenhausaufenthalt im Studienzeitraum) betrugen in der RPM-Gruppe 8329 € pro Patientenjahr und in der Kontrollgruppe 10.817 € pro Patientenjahr. Daraus ergibt sich, dass die RPM-Gruppe um 2488 € pro Patientenjahr (p = 0,058) niedrigere Krankenhauskosten hatte als die Kontrollgruppe. Die Krankenhauskosten waren jedoch auch niedriger, wenn nur Patientinnen und Patienten mit Krankenhausfällen berücksichtigt wurden. Die sich daraus ergebende Kostendifferenz betrug in diesem Fall 3002 € (p = 0,010). Bei den Kosten für ungeplante kardiovaskuläre Krankenhausaufenthalte betrug der Unterschied noch 1772 € zugunsten der RPM-Gruppe (p = 0,029). Wenn auch hier nur Patientinnen und Patienten mit ungeplanten kardiovaskulären Krankenhausaufenthalten berücksichtigt werden, beträgt die mittlere Kostendifferenz (4520 €) für die UC-Gruppe (p = 0,001). Bei den Kosten für ungeplante Herzinsuffizienz-Krankenhausaufenthalten betrug die mittlere Differenz zwischen den Gruppen 964 € für alle Fälle, was signifikant (p = 0,047) zugunsten der RPM-Gruppe ist. Auch bei den ungeplanten HF-Krankenhausaufenthalten wurde ein mittlerer Unterschied von 523 € zugunsten der RPM-Gruppe festgestellt, wenngleich dieses Ergebnis statistisch nicht signifikant war (p = 0,733).

Die Analyse zeigt, dass der Einsatz von Telemonitoring bei Patienten*innen mit Herzinsuffizienz im Vergleich zur alleinigen Standardbehandlung kosteneffektiv ist, da sie sowohl auf Kosteneinsparungen als auch eine bessere klinische Wirksamkeit hinweisen.

Wir danken allen beteiligten gesetzlichen Krankenkassen, die uns mit Expertise und mit den gesundheitsökonomischen Daten diese Analyse erst ermöglicht haben.

 

Die ausführlichen Ergebnisse der Analyse können in dem folgenden Paper nachgelesen werden:

Sydow H, Prescher S, Koehler F, Koehler K, Dorenkamp M, Spethmann S, Westerhoff B, Wagner C, Liersch S, Rebscher H, Wobbe-Ribinski S, Rindfleisch H, Müller-Riemenscheider F, Willich SN, Reinhold T. Cost-effectiveness of a non-invasive telemedical interventional management in patients with heart failure: Health Economic Analysis of the TIM-HF2-trial, Clin Res Cardiol. 2021 Dec 11. 
https://link.springer.com/article/10.1007%2Fs00392-021-01980-2

 

Kontakt

Prof. Dr. Friedrich Köhler, friedrich.koehler@charite.de

Hanna Sydow, hanna.sydow@charite.de



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